INKLUSIVA im Dialog mit Oliver Straub

Frage 1: Wer sind Sie und warum nehmen Sie an der INKLUSIVA teil?

Antwort: Ich bin der Oliver, 37 Jahre alt und wohne in Friedrichshafen am Bodensee. 2003 zog ich mir bei einem Badeunfall eine Querschnittlähmung im Halswirbelbereich zu. Seit dem bin ich auf persönliche Assistenz angewiesen, die ich im sogennanten Arbeitgebermodell selbst organisiere. Dank persönlicher Assistenz fand ich wieder zurück in ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause. Seit 5 Jahren setze ich mich in veschiedenen Bereiche für die Belange von Menschen mit Behinderung und Assistenzbedarf ein. Der Anstoß für mein Engagement machte eine Prodesttour im Sommer 2015 mit dem Elektrorollstuhl vom Bodensee nach Berlin. Auf der INKLUSIVA möchte ich dieses Jahr mein neues Projekt im Bereich persönlicher Assistenz vorstellen.

Frage 2: Welches Projekt möchten Sie gerne vorstellen?

Antwort: Als Assistenznehmer weiß ich wie schwierig die Suche nach passenden Assistenzkräften sein kann. Mit einer Assistenzplattform möchte ich dieses Problem angehen. Dafür konnte ich Ende 2019 12.000€ über ein Crowdfunding-Projekt sammeln. Der Assistenztreff war geboren. Zuerst als App gedacht, wird es jetzt eine Webseite mit einer Jobbörse für persönliche Assistenz geben. Ein zusätzliches Informationsangebot soll Assistenzneulinge den Start in die Assistenz erleichtern. Die Informationen richtet sich vor allem auch an Quereinsteiger die Interesse haben in der Assistenz zu arbeiten. Mein Ziel ist die Jobvermittlung für persönliche Assistenz zu vereinfachen und mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit mehr Menschen zur Assistenz bringen. Assistenznehmer genauso wie Assistenzgeber.

Frage 3: Wie funktioniert die Jobbörse und wann soll es los gehen?

Antwort: Besucher können auf der Webseite nach passenden Jobangeboten suchen und Anzeigen mit der Suchfunktion nach Region und Umkreis filtern. Die Ergebnisse werden zusätzlich auf einer interaktiven Karte angezeigt. Nach einer Registrierung stehen den Nutzern ein eigenes Profil zur Verfügung wo Anzeigen erstellt, veröffentlicht und gespeichert werden können. Veröffentlichte Anzeige bleibt 30 Tage online, wenn diese vom Verfasser nicht früher gelöscht werden. Die Kontaktaufnahme findet über Email oder Telefon statt, je nach dem welche Kontaktmöglichkeit der Verfasser gewählt hat. Die Entwicklung ist fast abgeschlossen und spätestenst Ende August wird die Jobbörse unter www.Assistenztreff.de erreichbar sein.

Frage 4: Wie sehen Sie ihr Projekt in 3 Jahren?

Antwort: Meine Facebookgruppe „Assistenzbörse“ hat mittlerweile 6.600 Mitglieder, ich hoffe in 3 Jahren ebenfalls soviele Nutzer zählen zu können. Für Zukunft habe ich auch noch weitere Funktionen geplannt. Z.B. eine Community Funktion mit der Nutzer die Möglichkeit haben Assistenznehmer in ihrer Nähe zu kontaktieren oder zu regionalen Assistenztreffen einzuladen. Dann wäre noch das Fotoprojekt „Assistenz in allen Lebenslagen“. Ich fotografiere selbst gerne. Mein Hobby möchte ich dafür nutzen, um eine Fotodatenbank über Assistenznehmer*innen in ihrem Alltag aufzubauen. Die Fotos sollen für die Berichterstattung oder die Öffentlichkeitsarbeit von Organisationen und Medien gegen eine kleine Lizenzgebühr zur Verfügung gestellt werden. Damit soll ein Teil der Kosten gedeckt werden, die für die Weiterentwicklung, Wartung und das Webhosting anfallen.

Logo des Assistenztreff. Dahinter ein Bild eines Rollstuhlfahrers mit seiner Begleitperson am Meer. Die beiden betrachten den Sonnenuntergang.

Aussteller_in
Der Assistenztreff

Portrait von Oliver Straub