INKLUSIVA im Dialog mit der Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz

Frage 1: Wer sind Sie und warum nehmen Sie an der INKLUSIVA teil?

Antwort: Wir sind eine Gemeinschaft von Psychiatrie-Erfahrenen, die sich mit ihrem eigenen Erfahrungswissen ehrenamtlich für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen engagieren. Wir begleiten Menschen in Krisen und vermitteln dabei Hoffnung und Zuversicht auf ein zufriedenes Leben, das sich für den Einzelnen mit seinen individuellen Besonderheiten gut anfühlt. Wir verbinden die Inklusiva mit der Möglichkeit uns als Krisen-Erfahrene zu zeigen, Türen des Verstehens zu öffnen und damit neue Räume für uns alle zu betreten. Die INKLUSIVA möchten wir als einen Raum für Begegnungen nutzen, der uns mit Menschen aus allen möglichen Bereichen zusammenführt und daraus inklusive Projekte entstehen können.

Frage 2: Wie wichtig ist Euch das “Prinzip Hoffnung” in der Selbsthilfe ?

Antwort: Krise ist Chance auf einen Selbstheilungsprozess! Der eigene Erfahrungsschatz ist hilfesuchenden Menschen in der aktuellen Krise ein besonderer Baustein, der sich aus Hoffnung und Zuversicht zusammensetzt. Durch das Mitteilen ähnlicher Erlebnisse entsteht eine gemeinsame Sprache und das Gefühl des Angenommenseins. Dem Betroffenen vermitteln wir so das Gefühl besonderer Nähe und des Verstandenseins. Es entsteht eine Kraft, die Mut machen kann, sich dem Weg zur persönlichen Veränderung zu öffnen.

In Vorbereitung ist das Projekt “Verrückte-Ecke” – ein Podcast. Interwiews mit psychiatrie-erfahrenen Menschen, mit hoffnungsvollen Recovery-Geschichten, und der persönlichen Schilderungen oft so zunächst erlebter unüberwindbarer Hindernisse Anmeldungen unter info@lagpe-rlp.de herzlich willkommen.

Frage 3: Welche “neuen” Forderungen kommen jetzt aus der Selbsthilfe und haltet ihr für förderungswürdig?

Antwort:

  • AntiStigmata-Prozesse weiter ausbauen und früh präventiv und altersgerecht in Kindergarten und Schule (z.B. Empathie als Schulfach) fördern.
  • Vorbeugend und selbstwirksam ausgerichtete Projekte fördern, aufbauend auf das Erfahrungswissen der Selbsthilfe statt ausschließlich institutionalisierte Hilfe anzubieten.
  • Arbeitsmöglichkeiten für Menschen schaffen, die ressourcen- und bedarfsorientiert ausgerichtet sind.
  • Salutogene statt pathogene Grundhaltungen fördern
  • Umgebungen zur Verfügung stellen, die ein Willkommen signalisieren, Ankommen erlauben und ein Verweilen ermöglichen
  • Übergänge in den Alltag mit festen Bezugspersonen aus der Selbsthilfe schaffen
  • Bezahlbare Wohnräume für Betroffene
  • Inklusion nur inmitten der Gesellschaft und keinesfalls abgeschottet in Sondereinrichtungen
  • kleine Beratungs- und Begegnungs-Cafes anbieten, geleitet von geeigneten Psychiatrie-Erfahrenen

Frage 4: Was kann die Fachwelt von Psychiatrie-Erfahrenen aus der Selbsthilfe lernen?

Antwort: Selbstwertgefühl kann sich dann entwicklen, wenn adäquate Plätze in der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Es mangelt an Beziehungsarbeit, vorwiegend Nähe als Qualitätskriterium bereits während der Ausbildung von Fachkräften, d.h. trialogisches Denken fördern und damit Perspektivenwechsel ermöglichen. Achtsames Selbstmitgefühl entwickeln, um Nähe entstehen zu lassen ohne dabei eigene Grenzen zu verlieren. Wir haben den Eindruck, dass die Fachwelt aus unterschiedlichen Motiven heraus, vorwiegend die Erkrankten mit Techniken einzugliedern versucht, die vielfach in der Über- oder Unterforderung des Einzelnen enden. Das führt zu mehr Exklusion, anstelle von Inklusion. Fachlichkeit bleibt selbstverständlich auch in der Selbsthilfebewegung gefragt, Tandems mit Erfahrungsexperten sind ebenso wichtig!

Logo der Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrene Rheinland Pfalz

Aussteller_in
LAG Psychiatrie-Erfahrener in RLP

Das Logo der Verrückten Ecke mit Figuren aus der Sesamstraße und einem Schild im Hintergrund, auf dem steht - Wenn das die Lösung ist, will ich das Problem zurück!