INKLUSIVA im Dialog mit Christiane Grüne, Leiterin der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen

Frage 1: Wer sind Sie und warum nehmen Sie an der INKLUSIVA teil?

Antwort: Die Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen berät mit Architekt*innen in ganz Rheinland-Pfalz kostenfrei und firmenneutral Verbraucher*innen zu allen Fragen der barrierefreien Wohnanpassung – bei Altbauten sowie geplanten Neubauten. Barrierefreiheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen der Inklusion. Die freie Wahl zu haben wo und in welcher Wohnung man leben möchte, setzt voraus, dass barrierefreie Wohnungen zum Standard werden. Auch wenn man selbst keine Beeinträchtigung hat und in einer barrierefreien Wohnung wohnt, kann man jeden Besuch empfangen und muss keinen beeinträchtigten Gast ausschließen. Auch hier fängt für uns Inklusion an. Eine barrierefreie Wohnung bietet Komfort und Sicherheit für jeden von uns.

Frage 2: Sie bieten kostenlose und firmenneutrale Beratung an – das klingt gut. Wie ist das beides möglich?

Antwort: Träger der Landesberatungsstelle ist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, die für absolute Neutralität steht. Das ist sehr wichtig, um das nötige Vertrauen in eine Beratung zu haben. Da die Landesberatungsstelle zu 100 Prozent vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie finanziert wird, können alle Beratungen kostenfrei angeboten werden. Neben den Beratungen in unseren regionalen Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz, bieten wir auch kostenlose Vor-Ort-Beratungen bei den Ratsuchenden zuhause an. Diese Beratungen werden häufig genutzt, da man sehr individuell auf die Wohnbegebenheiten eingehen kann. Alle Berater*innen sind Mitglieder der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, die der Kooperationspartner der Landesberatungsstelle ist. Eine fachlich kompetente Beratung ist somit gewährleistet.

Frage 3: Welche Fragen der Ratsuchenden werden Ihnen häufig gestellt und welche Beratung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Antwort: Oft beraten wir zu barrierefreien Bädern – dem sicherlich intimsten Bereich einer Wohnung. Jeder möchte besonders hier selbstständig zu Recht kommen. Auch Fragen zu finanziellen Fördermitteln werden häufig gestellt. Eine Beratung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es ging um einen Neubau, der für eine ab dem Kopf vollständig gelähmte Person geplant werden sollte. Neben allen baulichen Details zur Barrierefreiheit rieten wir, den Tagesablauf vorab genau zu analysieren, bis hin zu möglichen individuellen spontanen Wünschen, die in einen „barrierefreien Tagesablauf“ eingeplant werden müssen, was wiederum Auswirkungen auf barrierefreie bauliche Details haben kann.

Frage 4: Welche Ziele verfolgen Sie in der Zukunft?

Antwort: Neben unserer Aufgabe möglichst viele Verbraucher*innen zu ihren individuellen Wohnverhältnissen im Hinblick auf Barrierefreiheit zu beraten, arbeiten wir an der Sensibilisierung der Menschen für das Thema Barrierefreiheit. Es ist zielführend, dass die barrierefreie Umsetzung von Neubauten der Zukunft als Selbstverständlichkeit verstanden wird. Wichtig ist uns, dass junge angehende Architekten*innen und Innenarchitekten*innen sowie Handwerker*innen bereits in ihrer Ausbildung mit dem Thema Barrierefreiheit konfrontiert werden. Mit Vorträgen und semesterbegleitenden Projekten unterstützen wir Hochschulen und Handwerkskammern. Ein weiterer richtiger Schritt wäre es, bereits in der Baugenehmigungsphase ein Konzept zur Barrierefreiheit zu verlangen, sodass bereits in den ersten Planungsphasen Barrierefreiheit umfassend mitbedacht wird.

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Landesberatungsstelle barrierefrei Bauen und Wohnen