INKLUSIVA im Dialog mit Evelyn Reuße-Weber, Fachberaterin Integrationsfachdienst – Berufsbegleitender Dienst

Frage 1: Wer sind Sie und warum nehmen Sie an der INKLUSIVA teil?

Antwort: Als Verein setzen wir uns seit 1984 für die Interessen von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein. Unsere aktuellen Angebote umfassen:
• Tagesstätte „Oase“ in Alzey
• Psychosoziale Assistenz
• Soziotherapie
• Integrationsfachdienst mit den Standorten Idar-Oberstein, Bad Kreuznach, Mainz, Alzey, Worms

Wir fühlen uns der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen verpflichtet. Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt. Dabei gehen wir kreativ und flexibel auf Bedürfnisse der Menschen ein, um gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln. Durch die INKLUSIVA erwarten wir weitere Vernetzung und Einflussnahme im Interesse der Menschen. Wir möchten für Möglichkeiten zum Thema Arbeit und Behinderung sensibilisieren.

Frage 2: Sie haben einen Schwerpunkt im Rahmen der INKLUSIVA auf den Integrationsfachdienst gelegt. Wieso dieser Schwerpunkt und was ist überhaupt die Aufgabe eines Integrationsfachdienstes (IFD)?

Antwort: Das Bundesteilhabegesetz rückt Teilhabe am Arbeitsleben außerhalb von Werkstätten in den Fokus. Inklusion im beruflichen Kontext soll Selbstverständlichkeit sein. Gesundheitliche Einschränkungen haben Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit im Beruf. “Angebote” von Arbeitgeber*innen sind manchmal nicht von Vorteil und Unterstützungsmöglichkeiten durch den IFD noch zu wenig bekannt. Wir beraten Schwerbehinderte, ihnen Gleichgestellte und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bei individuellen Lösungswegen; mit dem Ziel, Beschäftigungsverhältnisse zu sichern.
In Abstimmung mit den Ratsuchenden unterstützen wir Arbeitgeber*innen, ihre Verpflichtung wahrzunehmen, leidensgerechte Arbeitsplätze zur gestalten und ihren gesellschaftlichen Beitrag für Teilhabe und Gleichberechtigung leisten.

Angebote des IFD:
– Berufsbegleitender Dienst
– Inklusionsberater
– Arbeitsvermittlung für Rehabilitanden

Frage 3: Können Sie Beispiele aus Ihrer Arbeit beschreiben?

Antwort: Eine Klientin rief sehr aufgelöst an, sie müsse kündigen, weil ihr Krankengeld auslaufe und sie jetzt zur Agentur für Arbeit müsse. Diese Annahme ist falsch. Das Arbeitsverhältnis ruht in diesem Fall. Nach Genesung kann ein Wiedereinstieg beim Arbeitgeber möglich sein. Alternativ begleitete ich den Kontakt mit der Rentenversicherung, so dass sie aktuell eine berufliche Rehabilitation absolviert.

Ein anderer Klient mit GdB 30 erhielt vom Arbeitgeber Abmahnungen. Ich half, die Gleichstellung und somit den besonderen Kündigungsschutz zu erwirken. Gleichzeitig reflektierten wir sein Verhalten am Arbeitsplatz. Er hat sich jetzt mehr unter Kontrolle und der Arbeitgeber sah von einer Kündigung ab.

Frage 4: In welchem Auftrag arbeitet der Integrationsfachdienst und mit welchen Institutionen arbeiten Sie zusammen?

Antwort: Das Integrationsamt (Abteilung des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung) finanziert unsere Beratung im Rahmen seiner Strukturverantwortung. Die Mittel stammen aus der Ausgleichsabgabe, welche Unternehmen zahlen, die ihrer Verpflichtung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nicht in vollem Umfang nachkommen. Mit den Mitarbeiter*innen des Integrationsamtes arbeiten wir zusammen z.B. bei Kündigungsschutzverhandlungen oder zur Erwirkung von individuellen Zuschüssen an Arbeitgeber*innen, um Leistungseinschränkungen von Menschen mit Beeinträchtigungen finanziell auszugleichen.
Weitere Kooperationspartner*innen sind Schwerbehindertenvertretungen, Betriebsräte/Mitarbeitervertretungen, Rentenversicherungen, Agentur für Arbeit, Jobcenter, (Betriebs)ärzte, VdK, Beratungsstellen (z.B. EUTB) oder Weiterbildungsträger (Projektkooperation mit Bethesda-St. Martin und ZSL). Wir sind in regionalen Arbeitskreisen vernetzt und überregional z.B. mit anderen Integrationsfachdiensten.

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